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Das Dilemma mit der Hypnose

 

 

„Ich geh zur Hypnose.“ diese Aussage löst bei den so Informierten ganz unterschiedliche Reaktionen aus - von 100%iger Zustimmung, weil derjenige schon eigene gute Erfahrungen gemacht hat über - oh, Gott das ist doch nichts Seriöses bin hin zu wohlmeinenden Warnungen „- …du weißt doch gar nicht, was da in deinen Kopf gepflanzt wird -ich hab da schon Sachen gehört…“

 

Und da ist es, das Dilemma - ist Hypnose nun seriös oder nicht? Ist Hypnose nun gefährlich oder nicht?

 

Ich möchte hier gern aus der Sicht der Therapeutin versuchen, das Dilemma aufzulösen:

 

Als erstes -Hypnose ist vollkommen neutral, eine Methode,die auf sehr unkomplizierte Weise den Hypnotisierten Zugang zu ihrem Unterbewusstsein und damit zu den eigenen Ressourcen ermöglicht. Hypnose ist immer das, was Hypnotiseur und Hypnotisierter daraus machen.

 

Hypnose kommt in verschiedenen Ausfertigungen daher - als Therapiemethode die in ganz verschiedenen Varianten wirkungsvoll angeboten wird, vom wiederentdeckten Mesmerismus über Hypnotherapie nach dem Vorbild Milton Ericksons, klassische sowie Schnellhypnose. Andere Varianten sind die Showhypnose, die Selbsthypnose und Alltagstrancen durch beispielsweise Werbung und Fernsehen. 

 

Welchen Effekt eine Hypnose hat, ist natürlich immer vom Kontext und der Vereinbarung zwischen Hypnotiseur und Hypnotisierten abhängig - das heißt, wenn ich unbedingt meinen Showauftritt als freiwilliger Proband auf einer Bühne haben möchte, kann ich keinen therapeutischen Erfolg erwarten, das - denke ich, ist jedem klar.

 

Was aber ist mit den Ängsten, dass mir unter der Hypnose etwas suggeriert wird, was mir im weiteren Leben schadet oder mich lächerlich macht? 

 

Es ist mittlerweile Alltagswissen, dass es bei Hypnose - Induktionen immer um die Beeinflussung des Unterbewusstsein des Hypnotisierten geht. Das Unterbewusstsein jeder Person ist ein fast unerschöpfliches Reservoire an Wissen, Erfahrungen, Erlebnissen aber auch der Bereich, in dem unsere Muster, Glaubenssätze, Antreiber, Ängste und Befürchtungen gespeichert sind.

 

Wenn jemand sich mit dem Begriff Unterbewusstsein noch nicht beschäftigt hat, erkläre ich das gern am Beispiel einer weisen alten Großmutter, die sich für ihren Enkel verantwortlich fühlt. 

 

Diese Großmutter hat ihr Leben und das ihres Enkels erfolgreich bis hierher bewältigt - also ist die Schlussfolgerung, dass sie alles richtig gemacht hat,nicht von der Hand zu weisen. Sie lebt ja noch und der Enkel auch. Daraus entsteht bei der Großmutter ( dem Unterbewusstsein) eine gewisse Sturheit gegenüber Neuem.

 

Sie ( also der Enkel) haben aber jetzt die Idee, dass Sie das Rauchen aufgeben sollten,sich bei Meetings anders verhalten oder besser in der Lage sein möchten, auch in Prüfungen Ihr Wissen abrufen zu können - schlicht ein neues Verhalten beginnen möchten.

 

Sie nehmen es sich ganz fest vor, ab Montag mach ich das und das  anders - aber es geht nicht. Ihr Körper reagiert mit allem, was Stress- und Angstreaktionen zu bieten haben - Stimme versagt, der Darm ist nicht in den Griff zu bekommen u.ä. - solange, bis Sie sich wieder still in die Ecke setzen, wie gewohnt den Mund halten und die anderen machen lassen, obwohl Sie es besser könnten.

 

Genau hier kommt die weise Großmutter wieder in`s Spiel - also Ihr Unterbewusstsein 

- „ach Jungchen oder Mädchen, lass das lieber - sich vor zu wagen ist gefährlich, du könntest es vielleicht nicht überleben. Lieber nichts Neues und Unbekanntes ausprobieren, lassen wir es doch so, wie es ist!“

 

Wie soll man sich da entwickeln und seine Potenziale entfalten? Oder hat die Großmutter recht?

 

Während der Hypnose verhandeln wir also direkt mit der unterbewussten Großmutter und versuchen, sie mit Bildern von Kompromissen und Veränderungen zu überzeugen. Es sind wirklich die inneren Bilder, die in das unterbewusstes System des Klienten passen müssen, damit Veränderungen jeglicher Art überhaupt möglich sind. 

Das Unterbewusstsein mit all seinen Instanzen und dem Auftrag den Besitzer diese Unterbewusstseins, vor Schaden zu bewahren, beschützt Sie auch. Eben wie eine weise alte Großmutter.

Etwas sachlicher: 

Um wirkungsvolle Veränderungen zu ermöglichen ist die kameradschaftliche Zusammenarbeit des Bewusstseins mit dem Unterbewusstsein notwendig. Konkret heißt das, dass der kritische Faktor des Bewusstseins letztlich die Erlaubnis geben muss, dass das neue Bild, das lang unterdrückte Gefühl zugelassen und akzeptiert werden.

 

Sie erkennen also daraus, dass es kaum möglich ist, Ihnen etwas für Sie Unpassendes oder Schädliches in Ihr Unterbewusstsein „einzupflanzen“. Auch, wenn Sie während der Hypnose auf einmal spüren, dass Ihr linker Arm von selbst nach oben und der rechte von selbst nach unten gehen - ist das nur von kurzer Dauer und dazu gedacht, dass Sie sich selbst davon überzeugen, in Hypnose zu sein. Die meisten Hypnotisanten glauben es nämlich nicht. da sie ja nicht in abgrundtiefem Schlaf sind, sondern mit Leichtigkeit der Stimme des Hypnotiseurs folgen können.

 

Und was ist nun mit dem Dilemma? 

Angst ist ein Gefühl und das kann Ihnen niemand durch Erklärungen nehmen. Vielleicht ist aber durch meine Erläuterung in Ihnen die Lust, das mit der Hypnose auszuprobieren, gewachsen. Dann merken Sie, es ist nicht gefährlich, melden das an Ihre wachende unterbewusste Großmutter zurück und das Dilemma ist keines mehr.

 

Sehr gern können wir uns darüber austauschen. Ich würde mich freuen, von Ihnen zu hören oder zu lesen.

herzlichst Ihre Renate Winkelmann